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Wendelstein
Bereits in der Steinzeit hielten sich Menschen in der Wendelsteiner Gegend auf, wie vereinzelte Funde belegen. Endgültige Beweise für eine dauerhafte Besiedlung erbrachten 1984 Gräberfunde aus der Spätbronzezeit. Ein fränkischer Tafelhof auf Nürnberger Reichsgrund in der Schleife der Schwarzach war die Keimzelle des heutigen Wendelsteins.
Urkundlich wird Wendelstein erstmals im Jahre 1259 im Zusammenhang mit den „adeligen Herren von Wendelstein“ erwähnt. Diese, vermutlich mit den Herren von Kornburg verbundene Familie, war auch Inhaber des Gerichts von Wendelstein, welches im 15. Jahrhundert, nach verschiedenen Vererbungen und Teilungen, zu ¾ an das Heilig-Geist-Spital in Nürnberg und zum Rest an die Ansbacher Markgrafen kam. Dadurch ergab sich die einzigartige Situation, dass sich die ansonsten mit den Nürnbergern verfeindeten Ansbacher Markgrafen als Herren mit Nürnberg über das Gericht abwechselten (Kondominat). Die Stadt Nürnberg stellte für drei Jahre, der Markgraf für ein Jahr den Richter.
Erst 1808 endete diese Tradition mit der Auflassung des Gerichtes. Wendelstein und Wendelstein am Berg gehörten auch zu zwei Kirchengemeinden, denn der Siedlungsort am Berg gehörte ursprünglich zur Pfarrei Kornburg, die eine Tochter der Urpfarrei Altdorf war. Wendelstein hatte seine eigene Pfarrei, „Sankt Georg“, die in keine Urpfarrei einzuordnen ist.
Aus dem großen Hof am Berg stammte Kunigunde Kreuzer, die 1519 mit dem Nürnberger Schuhmachermeister und Poeten Hans Sachs die Ehe einging. Er verewigte Wendelstein in Gedichten und „Fasenachtsspielen“. Dabei erwähnte er auch den "Nasentanz", einen Wendelsteiner Kirchweihbrauch, der heute in Vergessenheit geraten ist. Derjenige gewann den Tanz, der die größte Nase besaß. Sachs reimte daraus den einzigen deutschen Vierzeiler, der sich nur mit Nasenformen befasst.
1529 genehmigte die Freie Reichsstadt Nürnberg den Wendelsteinern ein Gerichtssiegel. Aus diesem Anlass wurde der Ort erstmals als Markt bezeichnet. Messerer und Klingenschmiede waren seit dem 15. Jahrhundert in Wendelstein ansässig. Ihnen verlieh Kaiser Friedrich III. 1471 ein eigenes Messererzeichen. Ab dem 19. Jahrhundert waren Drechsler und Metalldrücker für den Ort prägend.
Als Beispiel für eine große Wendelsteiner Familie gilt die Steinbruchbesitzerdynastie Jegel. In drei Generationen stellten sie die Bürgermeister: Zwischen 1870 bis 1945 gab es nur 25 "jegellose" Jahre im Wendelsteiner Rathaus. Der Tatkraft von Wilhelm Jegel I., von 1870 bis 1890 Bürgermeister von Wendelstein, verdankt der Markt seine Entwicklung zu einem fortschrittlichen Gemeinwesen mit städtischem Charakter. Während seiner Amtszeit entstanden: ein neues großes Schulhaus, heute Bücherei, die heutigen zwei Rathäuser, eines als Rathaus, das andere zunächst als Hotel. Zum Schmuck des Marktzentrums wurde 1879 der „Schöne Brunnen“ gebaut. Die Eisenbahn von Feucht fuhr 1886 das erste Mal nach Wendelstein. Auch die erste Straßenbeleuchtung von 1870 geht auf die Initiative Jegels zurück.
Auch heute noch existiert das Jegelanwesen, bestehend aus drei Sandsteingebäuden, die nach einer gründlichen Sanierung inzwischen öffentlich genutzt werden: Jegelscheune, Taglöhnerhaus und Jegelhaus wurden Ende des 19. Jahrhunderts gebaut und dienen heute als Kindergarten, kultureller Veranstaltungsort, Bürgerbegegnungsstätte und Verwaltungsgebäude der Gemeindewerke.

