Eröffnung der Ausstellung „Frauen-Bilder“ mit literarischem Frauenporträt bereichert

Anlässlich des „Weltfrauentages“ am 8. März passte bei der jetzigen Ausstellungseröffnung in der Gemeindebücherei „einfach alles“: Die Bilderschau „Frauen-Bilder“ mit Werken von Ina Schilling wurde dabei mit einer einführenden Würdigung durch Dr. Gabriele Fuchs aus Schwabach vorgestellt. Als literarische Ergänzung dazu stellte die Schwabacher Autorin Sabine Burkhardt das weitgehend unbekannte Leben von Leonharda Ringelnatz, der Ehefrau von Joachim Ringelnatz, vor - von ihm mit dem Kosenamen „Muschelkalk“ bedacht.


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Nach der Begrüßung durch Büchereileiterin Helga Löhlein oblag Dr. Gabriele Fuchs aus Schwabach eine fachliche Würdigung der ausgestellten Frauenbildnisse, bei der vor allem die inhaltliche Bildersprache der 24 ausgestellten Werke ein Hauptthema war. „Ich fühle mich bei und in ihren Bildern zuhause, denn ihre Frauenbilder haben eine deutliche Bildersprache, die uns anspricht und zum „Bilderlesen“ einlädt“ umriss sie die Wirkung der „Frauen-Bilder“. In gewisser Weise gibt Ina Schilling in ihren Bildern viel über sich selbst preis mit ihren Gedanken und Interessen, was nicht jedem Künstler gelinge - besonders vor dem Hintergrund des Kunstgedankens.


Kunst ist nämlich, so Dr. Gabriele Fuchs, die nicht immer eindeutig zuordenbare Gabe zwischen handwerklichem Können und Kenntnissen und der bewussten Umsetzung eigener Ideen als kreative Kraft. Insofern bewege sich auch die Bildersprache zwischen eindeutigen Definitionen und der künstlerischen Freiheit für Neues und Unbekanntes und dessen Wirkung. Bei Ina Schillings Werken finde sich beides - das Handwerk in ihren bemalten Ostereiern als weiterer Teil der Aus-stellung und bei bestimmten Maltechniken und Motiven wie auch das kreative in ihren Frauendarstellungen selbst bei der Auswahl und künstlerischen Wiedergabe der Motive.


Leonharda Ringelnatz - alias „Muschelkalk“ - und ihr Leben

Mit dem Fazit „Wer bei Ina Schilling als begnadeter Künstlerin lernen könne und dürfe, gehört zu besonders glücklichen Menschen unserer Zeit“ beschloss Dr.Gabriele Fuchs ihren Beitrag zur Ausstellungseröffnung. Als literarisches Porträt zum „Weltfrauentag“ bereicherte zudem die Le-sung von Sabine Burkhardt über das weitgehend unbekannte Leben von Leonharda Ringelnatz den Abend. 1898 in Ostpreußen geboren, lernte Leonharda Pieper nach ihrer Ausbildung im Sprachenstudium in jungen Jahren den Künstler und Kabarettisten Joachim Ringelnatz kennen und folgte ihm 1919 nach München, wo er damals arbeitete und auf der Bühne auftrat.


Als Hans Bötticher geboren, hatte er 1919 den Künstlernamen Joachim Ringelnatz angenommen und 1920 heirateten beide in München. Schon hier erwies sich „Muschelkalk“ wie Leonharda von ihrem Mann liebevoll genannt wurde, als „Chefin der Familie“, da Joachim Ringelnatz oft auf Tournee unterwegs war und beide vor allem durch Briefe in Kontakt blieben. Sie organisierte die Auftritte und Engagements für ihren Mann, war für die Finanzen zuständig und unterstützte ihn mit voller Kraft bei seiner künstlerischen Arbeit und seinen Ideen für neue Bühnenstücke und Balla-den. 1930 zog das Ehepaar nach Berlin, wo Joachim Ringelnatz 1934 schon verstarb.


Zum „Bilderlesen“ eingeladen

Obwohl Leonharda Ringelnatz danach erneut heiratete und unter ihrem späteren Namen Leonharda Gescher ebenfalls Bücher schrieb, lebte sie vor allem auch mit und für das literarische und künstlerische Vermächtnis ihres ersten Ehemanns Joachim Ringelnatz. Nach dem 2. Weltkrieg suchte und fand sie im „Henssel-Verlag“ einen Verlag, der die Gedichte und Geschichten von Ringelnatz druckte. Sie schrieb zudem eine Biografie über Leben und Werk ihres ersten Ehemanns und arbeitete als Übersetzerin in Berlin an wichtigen Werken der damaligen Gegenwartsliteratur. Mit fast 80 Jahren starb Leonharda „Muschelkalk“ Gescher 1977 in Berlin.


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Mit besonderem Dank an ihre Laudatorin Dr. Gabriele Fuchs wie an Sabine Burkhardt für ihre Ausführungen über „Muschelkalk“ Ringelnatz lud abschließend Ina Schilling die zahlreichen Zuhörer und Besucher der Eröffnungsfeier zum „Bilderlesen in Frauen-Bildern“ ein und wünschte dazu viele neue Eindrücke und Gedanken. Neben 24 großformatigen Bildern mit Frauenmotiven in verschiedenen Techniken und Malstilen gehören zudem etliche „kleine Kunstwerke“ mit zur jetzigen Ausstellung in der Gemeindebücherei, denn in einer Vitrine sind selbst bemalte Ostereier in verschiedenen Größen mit Ostermotiven wie mit fränkischen Ansichten zu sehen.


Die Ausstellung „Frauen-Bilder“ in der Gemeindebücherei Wendelstein, Marktstraße 1, ist bis zum Samstag, 1. April 2017 an folgenden Wochentagen geöffnet: Montag von 9 bis 12 Uhr, Dienstag 15-20 Uhr, Mittwoch 15-18 Uhr, Donnerstag 9-12 Uhr, Freitag 15-18 Uhr und Samstag 9-12 Uhr; weitere Informationen unter Telefon-Nr. 09129/401129 oder per e-mail: buecherei@wendelstein.de


Bericht und Foto: Dr. Jörg Ruthrof

Letzte Änderung: 11.03.2017 09:40 Uhr